Panzer Philosophie

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In diesem Roman geht es um zwei Personen, die unterschiedlicher nicht sein können:
Panzer Zugführer, Oberfeldwebel Tom Blume, der das Soldaten Dasein liebt, aber pazifistische Tendenzen entwickelt. Blume versteht es Menschen zu führen, tief denkend, Gott gläubig und humanistisch orientiert.

Oberstleutnant Krepier, der Bataillonskommandeur des Panzerbataillons, rücksichtslos, egozentrisch und pathologisch narzisstisch veranlagt.

Die Wege der beiden ungleichen Männer kreuzen sich häufig, auch privat, meistens in einem unangenehmen Kontext. Beim letzten Mal, kommt es Eklat.
Einen weiteren Akzent setzt der Roman mit der Liebesgeschichte zwischen Tom und Petra. Tom kannte Petra schon als er fünfzehn Jahre alt war aus einem Judo Verein. Für Tom war es Liebe auf den ersten Blick. Nach vier Jahren trifft er Petra in den Honka Stuben auf der Reeperbahn wieder und die eigentliche Liebesgeschichte beginnt. Sie sollte nicht lange währen. Tom verliert Petra bei der Geburt des Töchterchen Annabelle. Von nun an ist Tom allein erziehender Vater und Soldat.

Die Ereignisse und Erlebnisse mit Petra werden rückblickend dokumentiert.

Der Autor Mutlu Müller, legt sich mit diesem Roman bezüglich der Evolutionstheorie, der Bibel Exegese, verschiedener Wertmaßstäbe und dem gesellschaftlichen Wandel mit diversen Klientelen an:
Evolutions-Ideologen, ein bestimmter Typus Offizier der Bundeswehr, Geistliche und sogar dem Papst.

Leseprobe 1:

Der Oberstleutnant sollte zum Oberst befördert werden. Drei Tage vorher befand er sich noch auf einer Übung in Bergen Hohne. Der Oberstleutnant saß selbst auf einem Panzer als Kommandant. Sein Ladeschütze war der S3 Major Möller, Richtschütze war der S1 Offizier Hauptmann Plötz, der eigentlich gar nicht wusste, wie ein Panzer von innen aussieht. Der Fahrer war der Leiter der Instandsetzung, Oberstabsfeldwebel Drommlich. 

An diesem Tag wollte sich der Oberstleutnant vom Bataillon verabschieden. Er sollte Kommandeur der Heeresschule 1 in Hannover werden. Die Choreographie sah vor, dass das Bataillon angetreten auf einer Lichtung, auf den heranfahrenden Panzer des Kommandeurs warten sollte. Die Panzer der Kampfkompanien, bildeten etwa 50 Meter vor dem wartenden Bataillon eine Art Spalier. Nicht zu verwechseln mit einem Spalier, das auch als Pergola bezeichnet wird. 

Die Panzer standen sich gegenüber, die Rohre gen Himmel gerichtet, so dass der Kommandeur-Panzer durch den Spalier fahren konnte.

Der Panzer des Kommandeurs stand versteckt, 500 Meter entfernt und wartete auf das Heeres Musik Chor, das mit einem kräftigen Marschlied aufmarschieren sollte. Die Musiker ließen aber auf
sich warten. 

Major Möller, zauberte indessen eine Flasche besten dänischen Aquavit und drei Eierbecher aus seinem Aktenkoffer.

„Ahhhh, Sie haben Medizin dabei“ tönte es vom Kommandantensitz. Auch der S1 drehte sich, so gut es ging, in Richtung Ladeschütze, um das Medikament ebenfalls in Augenschein zu nehmen. Auf dem
Richtschützensitz war nicht sehr viel Platz – eher für etwa 1,65  Meter große und sehr schlanke Männer geeignet. Der S1 war knapp 1,80 Meter und trug eine stattliche Plauze vor sich her. Von daher litt er zurzeit ein wenig unter Platzangst und sah in ein oder zwei Gläschen Aquavit, eine probates Mittel, seinen Stress etwas zu dämpfen und
etwas lockerer zu werden.

Oberstabsfeldwebel Drommlich dachte bei sich, ‚jetzt geht das wieder los. Und gleich höre ich wieder den Spruch: „Drommlich, Sie müssen ja noch fahren!“ ‘

„Drommlich, Sie müssen ja noch fahren! Und dran denken, Vergatterung hat stattgefunden. Alles was hier in diesen heiligen Stahlwänden passiert, dringt nicht nach außen! “

„Jawohl, Herr Oberstleutnant“ dröhnte es unten aus der Fahrerkabine.

„Tja Drommlich“, ruft der S1 in Richtung Fahrerkabine, „ich
wusste, warum ich Fachoffizier und S1 geworden bin! Als Panzerfahrer sitzt man zu weit weg vom Schuss!“ Lautes Gelächter der „Kampfbesatzung“ folgte.

‚Zum Glück gibt es im Turm keine Munition, denkt sich Drommlich. ‘

„S1, richten se mal die Kanone in die Position, ähnlich einer  Abzisse“ befiehlt der Oberst in altruistischen Ton. „Wir wollen ja nicht, dass die Eierbecher in Schieflage geraten.“

„Ähh, wie meinen Herr Oberstleutnant?“

„In die Waagrechte oder Horizontale, S1. Sie verkehren doch regelmäßig in diesem Gewerbe, Plötz, also machen se schon!“

Der S1 schaut hilflos die Schalter und Hebel vor sich an und klagt leicht panisch:  „Wie geht denn das? Ich bin S1, also HR, ich hab keine Ahnung von der Richtschützentätigkeit!“

Wie geht es weiter? Wird sich der Oberstleutnant adäquat von seinem Bataillon verabschieden? 

 

Leseprobe 2:

Ein älterer Herr in der Tracht eines Pfarrers öffnet die Tür.
„Einen schönen und guten Tag wünsche ich. Sind Sie Oberfeldwebel Blume!“
„Ja, der bin ich.“
„Ich bin der neue evangelische Militärpfarrer Jonathan Pilz. Ihr KpChef legte mir ans Herz, mich auf jeden Fall bei Ihnen vorzustellen. Sie wären in dieser Kompanie der Bibel Freak mit dem Spitznamen „Panzer-Paulus“. Ihr KpChef ist ja eher von der Konkurrenz.“
„Über diesen Titel freue ich mich. Ja, richtig, die Bibel ist für mich das wichtigste Buch.“
„Das freut mich sehr, Herr Blume. Ihr Chef meinte auch, Sie könnten mir am ehesten mitteilen, welchen geistigen Beistand die Kompanie benötigt.“
„Ich glaube Herr Pilz, da werden wir keine gemeinsame Basis finden…..“
Der Pfarrer unterbricht Tom….
„Ich würde mich freuen, wenn Sie mich mit „Herr Pfarrer“ ansprechen.“
„Sehen Sie Herr Pilz. Da geht es schon los. Wir beide liegen ganz weit auseinander, wenn es um die Exegese der Bibel geht.“ Tom zog die oberste Schublade auf.
„Ich habe hier drei Bibelübersetzungen, die Interlinear Übersetzung Hebräisch/Griechisch – Englisch, die Elberfelder und die Luther Bibel. Ich nehme mal die Übersetzung von Luther. Obwohl ich Luther nicht mag, er war ein von Adolf Hitler vergötterter und extremer Judenhasser. Aber sei‘s drum.“ Tom zitiert Matthäus 23: 8 – 10:
…8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder. 9Und sollt niemand Vater heißen auf Erden, denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. 10Und ihr sollt euch nicht lassen Meister nennen; denn einer ist euer Meister, Christus.…
„Was sagen Sie zu diesem Text, Herr Pilz?“
Dem Gesicht des Pfarrers entwich ein wenig das freundliche Wesen.
„Da steht nichts von Pfarrer, Herr Blume. Und Sie verfügen schließlich auch über einen Titel oder Dienstgrad.“
„Ich habe aber nicht verlangt, dass Sie diesen benutzen. Die Bibel verbietet aber auch keine weltlichen Hierarchien. Gott hat durchaus Könige eingesetzt. Und Moses hat Richter eingesetzt. Jesus verbietet aber religiöse Hierarchien, mit einem klitzekleinen Halbsatz: „Ihr aber seid alle Brüder“.
Und Sie kennen doch sicherlich auch den Streit der Apostel, als sie darüber stritten, wer der Erste unter ihnen sei? Allein diese Diskussion und Jesu Antwort, müsste Ihnen doch zu denken geben? Da nutzt es auch nichts, wenn der Papst einmal im Jahr eine Handvoll Wasser auf die Füße seiner Bischöfe schmeißt. Dieses Theater hat Jesus mit seinem Beispiel ganz bestimmt nicht gemeint.“
Inzwischen war die freundliche Restmiene des Pfarrers, pantomimisch einem etwas säuerlichen Gesichtsausdruck gewichen.

 

Leseprobe 3:

Tom stand im Kampfanzug am Tresen in den Honka Stuben, respektive “Zum goldenen Handschuh” auf der Reeperbahn. “Kampfanzug” in der Freizeit, auf der Reeperbahn, eigentlich ein No go!

Eine junge Frau kam zum Tresen, um für sich und ihre Freundin ein Bier zu bestellen. Tom erkannte sie sofort. Etwa drei Jahre zuvor war er in einem Judo Verein. Petra war auch Mitglied.
Allerdings zusammen mit ihrem Freund, der etwa zwei oder drei Jahre älter war als Tom. Tom war quasi in der Pubertät, noch bemüht, mit Clerasil seine Eiterpickel im Gesicht zu bekämpfen und stimmlich die Tonlage zu halten. 

Petra nahm damals keinerlei Notiz von ihm, hatte nur Augen für ihren Freund. Bei einem Training war ihr Freund aber nicht dabei, und wie der Zufall es wollte, teilte der Trainer Petra Tom für einen Randori (ein Übungskampf) zu. Tom war schon damals  fasziniert von Petra und wollte jetzt mal so richtig zeigen, was er drauf hatte. Gleich beim ersten Kontakt zelebrierte Tom einen gekonnten Nage-waza (eine Wurftechnik) und Petra landete unsanft auf dem Rücken. Dann schmiss Tom sich auf sie und übte an ihr den Shime-waza (eine Würgetechnik) bis Petra rot anlief und aufgab.

Die Prozedere hatte eher den gegenteiligen Effekt. Petra nahm noch weniger Notiz von Tom. Nach dem Training verließ Tom die Umkleide und kam an der Damen Umkleide vorbei. Die Tür ging gerade auf und Tom sah für einen kurzen Augenblick Petra, nur im Slip dastehen.
Dieser Anblick brannte sich in Toms Gehirn ein und erzeugte ein vollkommen neues Netzwerk in seinem Hirn, namens Petra.

Tom ärgerte sich, dass er Petra so aggressiv angegangen war. Vielleicht wäre die bessere Strategie gewesen, Petra den Nage-waza an ihm ausführen zu lassen. Von jetzt an verfolgte ihn dieses Bild Monate lang. Tom ging auch nicht mehr zu dem Training. Ständig dieses göttliche Mädchen vor Augen, ohne ein Chance, ihr näher zu kommen, das wollte er sich nicht antun. 

Petras Stimme riß Tom aus seiner Retrospektive.

 „Was glotzt Du mich so an? Denkst Du, wenn Du hier in den Honka Stuben in Deiner Uniform herumstreunst, liegen Dir alle Frauen zu Füßen?“

Tom musste sich erst mal sammeln. Die Frau, die ihm fast ein
Jahr schlaflose Nächte bereitet hatte, stand plötzlich neben ihm. Ihm entfuhr ein „Äoöroaa“, das parasprachlich nicht einzuordnen war.

„Ach, und der Grunzsprache bist Du auch schon mächtig?“
legte Petra nach.

Jetzt war Tom wieder on Top, „Ich kenne Dich, wir hatten
schon mal intensiven Körperkontakt!“

„Das hast Du wohl geträumt. Und das ist wohl die dümmste Anmache,
die ich je erlebt habe“, nahm die beiden Biere und ging zu ihrer Freundin
zurück. Tom nahm ebenfalls sein Bier und folgte ihr.

„Wenn Du mich jetzt stalkst, dann können wir gleich rüber in
die Davids Wache gehen“, entrüstete sich Petra. Petras Freundin lächelte Tom allerdings vielsagend an. Diese offenbare Solidarität, machte Tom Mut.

„Ich mache Dir einen Vorschlag. Wenn ich Dir beweisen kann,
dass wir schon mal intensiven Körperkontakt hatten, dann gehst Du mit mir innerhalb dieser Woche einmal essen. Wenn nicht, dann zahle ich alles was ihr heute hier trinkt.“

Wie geht es weiter? Petra erfährt von Tom gleich Indizien, die ein gemeines Abendessen unausweichlich machen.

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